h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort g-wissenschaft
   
kommentar \"\"/
google kann damit nicht viel anfangen. in wörterbüchern ohnehin fehlanzeige.
nicht irgendeine wissenschaft ist gemeint, deren name mit einem g beginnt wie gastroenterologie, genetik, geochemie bis gynäkologie, sondern eine disziplin, die es im unterschied zu den genannten noch gar nicht gibt, deren gegenstand das gewissen des menschen ist.
pädagogische gewissensbildung oder religiöse gewissenserforschung sind auch etwas anderes.
wissenschaft fängt da an, ihren namen zu verdienen, wo es um klar erkennbare und wiederholbare tatsachen geht, wo nachweisbar das gewissen in seiner funktionsweise beschrieben und erklärt wird.
professor milgram hat mit seinem experiment einen grundstein für diese g-wissenschaft gelegt, als er zeigte, was geschieht, wenn die versuchspersonen zur gewalt gegen einen unbekannten aufgefordert werden und dabei die umstände variieren. zum beispiel konnte milgram zweifelsfrei herausarbeiten, dass die gewaltbereitschaft von der entfernung zwischen täter und opfer abhängt. je größer der abstand, desto größer die gewaltanwendung. aus äußerster ferne waren praktisch alle probanden bereit, bis zum äußersten zu gehen.
in unmittelbarer nähe zum opfer aber kündigten die allermeisten vp die mitarbeit, sprich: den gehorsam auf. das stärkste feedback wirkte wie eine bremse im gemüt der täter.
dieses gesetz der distanz-relation ist wirksam wie ein naturgesetz. im menschen. da es in tausenden versuchen bestätigt wurde, muss es unabhängig von der einzelnen person eine angeborene/genetische eigenschaft des menschen sein. individuen, deren gewissen nicht so arbeitet, sind wahrscheinlich verbrecher. sie haben einen irreparablen geburtsfehler, durch den sie für die übrigen menschen gefährlich sind. sie in verwahrung zu nehmen, ist unvermeidlich. aber sie an den pranger zu stellen, ist unmenschlich, weil die betroffenen unschuldig schuldig werden. ihr defizit ist als krankheit zu verstehen wie eine mangelerkrankung. ob sie eines tages heilbar sein werden durch den fortschritt der gentechnik, wissen wir nicht.
noch existiert die g-wissenschaft nicht, und doch schon zeichnen sich formen der angewandten g-wissenschaft ab, etwa wenn schlussfolgerungen gezogen werden aus der entdeckung des gesetzes der distanz-relation, die dringend geboten scheinen:
alle imperien in kleine regionen aufzuteilen und alle zentralen verwaltungen auf ein menschliches maß zu reduzieren. flache hierarchien sind erlaubt, steil aufragende nicht.
in den 70er jahren propagierte e.f. schumacher die überschaubarkeit in der ökonomie unter dem motto: small is beautiful.
die kleinräumigkeit der verwaltungseinheiten ist aus ökologischer und aus ethischer sicht das ideal, weil es den fähigkeiten des menschen angemessen ist.
machtkranke sind eine weitere art der verbrecher, deren charakter andere menschen gefährdet und wahrscheinlich unglücklich macht. das jedenfalls sah der historiker jacob burckhardt so, als er schrieb:
\"Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe. Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar, daher in sich unglücklich und muß also andere unglücklich machen.\"
der historiker hatte gewiss anschauliche beispiele aus studium und zeitgenossenschaft vor augen.
die g-wissenschaft ist gesellschaftlich so notwendig wie das gewissen aller individuen. dass es sie noch nicht gibt, wirft kein gutes licht auf die forschungslandschaft. es ist nur zu verständlich, dass manche leutchen besser fahren ohne die g-wissenschaft. doch die gesellschaft würde besser fahren mit dieser disziplin und ihrer förderung.
> alkohol, alleinseligmachend, arbeitsteilung, aufgeklärt, führer
   
 
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