h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort ide.
   
kommentar
die abkürzung steht allein im neuesten duden. sie bedeutet "indoeuropäisch".
das ist seltsam. denn neududens gilt eindeutig das indoeuropäische weniger als das "Indogermanische". die begründung für die bevorzugung dieses wortes lautet bei dudens:
"[benannt nach den Indern im Südosten u. den Germanen im Nordwesten]: erschlossene Grundsprache der Indogermanen."
demgemäß werden die lemmata "Indoeuropäer" und "indoeuropäisch" mit den wortgleichungen "Indogermane" bzw. "indogermanisch" abgefertigt. ebenso werden "Indoeuropäist" und "Indoeuropäistik" mit "Indogermanist" bzw. "Indogermanistik" gleichgesetzt, um nicht zu sagen: durch sie ersetzt.
das wörterbuch der ddr verhält sich eher indifferent. es stellt alle lemmata alphabetisch korrekt untereinander, ohne zu erkennen zu geben, welchem wortgebrauch es zuneigt.
allein der 70er duden ist informativ. dort ist unter dem lemma "Indoeuropäer" zu lesen:
"[engl. Indo-European]: außerhalb Deutschlands, bes. in England u. Frankreich übliche Bez. für > -germanen."
zu "Indogermanen" heißt es im 70er duden:
"bes. in Deutschland übliche Bez. für die Völker, die das Indogermanische als Grundsprache haben."
zum lemma das "Indogermanische" lautet die bekannte erklärung:
"[benannt nach den räumlich am weitesten voneinander entfernten Vertretern, den Indern im Südosten u. den Germanen im Nordwesten]: erschlossene Grundsprache der Indogermanen."
eine schräge rechnung, den indern des subkontinents die paar nordwestgermanen auf island gegenüberzustellen. hunderte millionen gegen eine viertel million.
die geografischen enden der indoeuropäischen sprachfamilie sind im (süd)osten die indischen sprachen (soweit sie zur sprachenfamilie gehören) und die europäischen sprachen im (nord)westen (soweit sie zur familie der ide-sprachen gehören).
die bezeichnung "indogermanisch" etc. als usus in deutschland ist eine folge des deutschen nationalismus (die entstehung des sprachgebrauchs fällt in die periode des nationalismus) und als unwissenschaftlich abzulehnen. mit gleichem unrecht könnte vom 'indokeltischen' die rede sein oder besser noch vom 'indoromanischen', denn die azoren liegen weiter westlich als island.
wo dudens ideologisch zuhause sind, bedurfte dieses zusätzlichen beweises nicht.
> alkohol, bahnhof verstehen, gedankengut, gartenzwerg, nationalstolz, patriot, rassenwahn, wissenschaft
   
 
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