h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort ierung
   
kommentar
im wörterbuch der ddr folgt auf das lemma "idyllisch" sogleich der "Igel". das nämliche ist im 70er duden der fall.
die alphabetische reihenfolge könnte durchaus eine andere sein. warum nicht die täglich irgendwo gebrauchte abkürzung "i.e." dokumentieren, wie neududens es tun. ebenso kann selbstverständlich der internationale code für das irische pfund "IEP" seinen platz in der lemmaliste finden.
aber wortendungen wie "-ier", "-ieren" und "-ierung" aufzunehmen, schießt doch wohl ziemlich hoch übers ziel hinaus.
es ist eine alte gepflogenheit der lexikografen, das wörterbuch mit dem zu füllen, wonach es benannt ist. mit wörtern.
das klingt tautologisch oder simpel; doch was ein wort ist, scheint im deutschen nicht ganz so selbstverständlich zu sein, wie es den anschein hat. so heißt das unwort des vergangenen jahres "notleidende banken".
ist das nicht ein drillingswort? nein, es ist ein wort. allerdings eines, das in den wörterbüchern schwierigkeiten macht. denn wenn alle wortkombinationen, die eine klar umrissene bedeutung haben, in die wörterbücher eingereiht werden müssten, würden sie zumindest viel unhandlicher sein, als sie es jetzt schon oft sind.
gerade jetzt macht das wort "der schwarze präsident" die runde, noch so ein unwort.
(denn die haut des präsidenten barack obama ist nicht schwarz. sind die leute, die das wort in den mund nehmen, vielleicht halbblind? obama hat sichtlich mehr pigment in der haut als ein nordeuropäer, wie er im buche steht. also ist obama ein farbiger oder ein afro-amerikaner, wenn denn die herkunft des mannes so wichtig ist im land von martin luther king.)
worte aus zwei wörtern sind zweifellos worte und gehören ins wörterbuch. wenn nicht, dürften auch komposita wie mittel-europäer nicht ins wörterbuch.
jedenfalls sollten wortbestandteile, die nicht selbständig existieren, nicht als lemma ausgegeben werden, wie neududens das tun. dann kommt auch nicht so ein unsinn dabei heraus wie bei "-ierung":
"bezeichnet in Bildungen mit Verben (Verbstämmen) etw. (eine Handlung, eine Tätigkeit): Isolierung, Konfrontierung, Resozialisierung."
"bezeichnet ... etw. ... "!
das ist so gekonnt im sinne der mehr(ier)ung des reichtums und des prestige der institution duden, dass es schon ins gegenteil umkippt.
nimmt man noch die »lemmata« "-ier, -ieren, -ig" hinzu, so bestätigt die spalte 3 auf seite 1907 den dringenden tatverdacht der blähung und aufblasierung des großen wörterbuchs durch wertlosen füllstoff.
> alkohol, anarchie, taschi-lama, orlog, ebbes, bilokation, ufologin, -igkeit
   
 
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