h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort inkulpant
   
kommentar kein eintrag im wörterbuch der ddr.
aber dudens bringens. denn es liegt auf einer linie, wenn sie das kirchenlatein pflegen und veraltete lemmata künstlich auf dem papier am leben zu halten versuchen. das ist eine dudentypische variante des papierdeutschen.
in diesem fall hier setzen aber dudens noch mal eins drauf. sie schleppen nicht nur veraltete lemmata mit, sondern ergänzen weibliche formen nach der richtschnur, die sie sich selbst gegeben haben, um die ungerechte chancenverteilung zwischen männlein und weiblein in der gesellschaft auf dem dudenpapier auszugleichen. ein hochlöbliches unterfangen.
"Inkulpant" war bereits in den 60er jahren laut duden (Fremdwörterbuch, Der Große Duden) veraltet. es wurde, ebenso gekennzeichnet, weiter mitgeschleift in den 70er jahren und jetzt noch einmal am ende der 90er, freilich mit dem schönen unterschied, dass nun der inkulpant nicht mehr allein im zustand der dudenschen mumifizierung sein ewiges leben hatte, sondern ihm zur seite die inkulpantin die ewigkeit ein wenig unterhaltsamer macht.
was dem inkulpanten recht ist, das ist dem inkulpaten billig, will sagen, auch dem lemma "Inkulpat" wird von dudens die "Inkulpatin" hinzugesellt, auf dass sie beide in trauter zweisamkeit die dudensche lebensverlängerung genießen können.
hatte schon das genannte "Fremdwörterbuch" aus den 60ern auf das verb dieser wortfamilie verzichtet, konnte es dank dudenscher lebenseinblasung in den 70ern wiederauferstehen und in den 90ern ad infinitum papiern weiterleben:
"[spätlat. inculpans (Gen.: inculpantis), 1. Part. von: inculpare, > inkulpieren] (Rechtsspr. veraltet): Ankläger, Beschuldiger."
nichtlateiner können bei dudens nachhilfe in der römer- und kirchensprache nehmen.
> alkohol, alleinseligmachend, andacht, anarchie, wortschatz, wortfrequenz
   
 
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