h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort inquisitionsmaxime
   
kommentar seltsam, kein eintrag in den älteren wörterbüchern der ddr und der brd.
im dicksten duden aber taucht das lemma auf, gleichgesetzt mit "Inquisitionsprinzip":
"(Rechtsspr.): strafprozessualer Grundsatz, nach dem der Richter selbst ein Strafverfahren einleitet."
das mag für juristen verständlich sein. nach ein bisschen googeln weiß man, was es bedeutet, nämlich: dass der richter oder das gericht die beweismittel etc. selbst beibringen muss und es nicht (wie im zivilprozess) den parteien (der anklage und verteidigung) überlassen darf, das für den prozess nötige zu besorgen.
belege wären die bringschuld der dudenmacher gewesen.
die deutsche rechtssprache, das juristendeutsch ist traditionell römisch oder kirchenlateinisch, das sprachgefühl der paragrafenreiter von daher beschränkt. nur so ist zu verstehen, dass das wort "Inquisition" in komposita oder für sich im juristendeutsch gebräuchlich ist. das lemma ist durch die jahrhunderte derart belastet mit grausamkeiten, dass es tabu sein müsste wie "nationalsozialismus", nur noch für die bezeichnung des historischen verbrechens selbst geeignet. aber die katholische kirche besteht auch weiter, als wäre nichts geschehen. sprache ist verräterisch. sie dokumentiert mehr, als dudens klar und lieb sein kann. in der rechtssprache ist das klerikale mit dem imperialen moment innigst verquickt und verstrickt. hörbar. spürbar.
> alkohol, alleinseligmachend, amboss, andacht, andersdenkende, wortschatz
   
 
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