h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort rabe
   
kommentar in weiten teilen mittel-europas ist er ausgerottet. die jagd auf den raben war mehrfach motiviert. für die jäger spielte der hass auf den beutekonkurrenten wahrscheinlich die hauptrolle. andere motive verstärkten die verfolgung der großen schwarzen kunstflieger bis zur vollständigen ausmerzung.

zur entstehungszeit der germanischen mythen galt der rabe noch als götterbote. ein grund für christianisierte mittel-europäer, das intimtier des heidnischen obergotts nicht eben sympathisch zu finden. als die raben dann auch noch als galgenvögel in verruf gerieten, weil mit der einführung des römischen rechts die galgenhügel zunahmen, konnte das image des großen vogels nicht schwärzer mehr sein.

die phantasie der christlichen mittel-europäer aber schwärzte den schlechten ruf des raben weiter. im wort “Rabenaas”, das laut duden einen “hinterhältigen, verschlagenen Menschen (oft als Schimpfwort)” meint, fließen die klugheit des wotanschen nachrichtenagenten und der galgenvogel bedeutungsmäßig zusammen.
und im gerede von der “Rabenmutter” und den “Rabeneltern” wird den verhassten tieren angedichtet, sie würden ihre brut in den ersten tagen nach dem schlüpfen völlig sich selbst überlassen. die große spannweite bot eine vorzügliche projektionsfläche.

die üble nachrede setzt der traditionstreue duden fort; bis in die neueste ausgabe ist der rabe ein “großer Vogel mit kräftigem Schnabel u. glänzend schwarzem Gefieder, der krächzende Laute von sich gibt.”
der kosmos Naturführer Singvögel aus dem jahr 1987 stand der dudenredaktion zur verfügung. sie hätte dort nachlesen können, was kenner längst über die stimme des raben wussten:
“Sehr vielseitig; ruft tief und sonor ?grok’, ?krah’ oder ?kroar’, auch hohl ?klong’, hölzern ?k-k’ und bei Gefahr ?kra-kra’. Gesang abwechslungsreich schwätzend mit rufähnlichen schnarrenden und schnalzenden Lauten und mit zahlreichen Imitationen.”

derart ausführlich zu schreiben, verbietet sich für ein wörterbuch. doch auf “krächzende Laute” lässt sich die beschreibung nicht eindampfen. da wirkt die verleumderische überlieferung nach.

wie gesagt, sind die schlauen großen vögel in mittel-europa so gut wie ausgemerzt. man kann die tiere aber hier und da in zoos und vogelparks besichtigen. die ahnungslosen besucher werden in unkenntnis gehalten über die flugkunststücke der eingesperrten und auch über ihre hohe intelligenz. wahrscheinlich fürchten die tierparkeigner zu recht, die anzahl der befreiungsversuche durch unbekannte könnten gefährlich zunehmen. schon ohne offizielle aufklärung vor ort über die bewundernswerten eigenschaften der raben, konnte ich beobachten, dass der maschendraht der voliere wiederholt aufgeschnitten wurde.

in mittel-europa gab es keine menschenaffen in freier natur. das projekt zum schutz der rechte unserer nächsten verwandten im tierreich hat aber auch hierzulande entschiedene unterstützer. das ist gut so. tiere haben rechte. es ist an der zeit, auch die rechte des raben ernst zu nehmen und zu verteidigen.
> alkohol, alleinseligmachend, jagd, jagdtrophäe, spuk, tierrecht, tierschutz
   
 
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