h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort krieg
   
kommentar das größtmögliche verbrechen erfährt im duden eine behandlung, die auf nüchternheit und normalität, auf unaufgeregtheit bedacht ist:
\"mit Waffengewalt ausgetragener Konflikt zwischen Staaten, Völkern; größere militärische Auseinandersetzung, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt.\"
was ist schon dabei, wird suggeriert, wenn ein konflikt ausgetragen wird, eine unvermeidliche auseinandersetzung ins militärische eskaliert? so etwas kommt, wie man aus geschichte und gegenwart weiß, immer mal wieder vor. realistischerweise sollte man darauf vorbereitet sein.
der tenor fügt sich wunderbar ein in die tradition der \"kasernierten Nation\"(ute frevert).
da lob ich mir doch den voltaire, der in seinem dictionnaire philosophique ganz andere töne anschlägt:
\"Solange die Laune einiger Männer Tausende unserer Brüder mit gutem Gewissen abschlachten zu lassen vermag, wird der Teil des Menschengeschlechts, der sich dem Heldentum weiht, die abscheulichste Erscheinung in der ganzen Natur sein.\"
lange vor tucholski nannte voltaire die soldaten \"gedungene Mörder\".
außer moralischer entrüstung ist der spott das mittel voltaires, die verschlafenen zeitgenossen wachzurütteln:
\"Zweifellos ist es eine wunderbare Kunst, die die Felder verwüstet, die Wohnungen zerstört und Jahr für Jahr von hunderttausend Menschen an die vierzigtausend umbringt.\"
aber voltaire vergisst nicht, den anteil des wahns an den gewaltorgien angemessen darzustellen:
\"Das Erstaunliche an diesem höllischen Unternehmen ist, dass jeder einzelne Führer der Mörder seine Fahnen segnen lässt und sich feierlich auf Gott beruft, bevor er auszieht, um seine Mitmenschen umzubringen.\"
oder:
\"Die natürliche Religion hat die Menschen tausendmal davon abgehalten, Verbrechen zu begehen... Aber die künstliche Religion ermutigt zu allen in Gemeinschaft begangenen Grausamkeiten.\"
was voltaire allerdings vergisst, sind die übrigen ursachen der kriege. etwa die zivilisierte hierarchie, die lange gewöhnung an befehl und gehorsam, die historische bedingtheit all der faktoren, die den gezeitenwechsel von krieg und scheinfrieden bestimmen etc.
zur welthistorischen einordnung des kriegs fehlten voltaire schlicht die erst später entdeckten daten. und natürlich konnte der gewitzte mann beim besten willen nicht vorausahnen, welche unglaublich rasante entwicklung die erfindung neuer waffen nehmen würde. die möglichkeit, dass \"die Laune einiger Männer\" nicht nur \"Tausende unserer Brüder mit gutem Gewissen abschlachten zu lassen vermag\", sondern inzwischen viele millionen, ist so plötzlich in der geschichte der menschheit aufgetaucht, dass wir vielleicht oder wahrscheinlich gar nicht die zeit haben, die richtigen konsequenzen daraus zu ziehen.
die massenvernichtungswaffen eignen sich nun mal nicht zum gewohnt langsamen lernen durch trial and error, durch versuch und irrtum.
der terrorismus ist in dieser situation genauso gefährlich wie der errorismus der politiker.
> abrüstung, friedliche kern-energie, feind, frieden, friedensdienst, friedensprozess, gewissensprüfung, kampfkultur, kriegshandwerk, kriegsverbrechen, kriegsverwendungsfähig, kriegsvorbereitung, kultur, menschenmaschine, menschenmaterial, menschenreservoir, menschenwürde, olympische spiele, rekrut, sachzwänge, schutztruppe, verteidigung, wehrtechnik
   
 
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