h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort machtmensch
   
kommentar
dieses wort fehlt im alten duden, der neue hat es aber aufgenommen.
in der demokratisch verfassten gesellschaft ist für despoten und diktatoren kein platz. das sind die machtmenschen par excellence. sie haben den vorzug, dass sie sich als fremdländisch im fremdwort ausweisen. auch der tyrann klingt gar nicht heimisch.
despoten, diktatoren und tyrannen stehen im lexikon, weil sie wie exotische tiere ausgestellt und erklärt werden müssen.
die lexeme griechischen ursprungs,despot und tyrann, sind synonyme. so erklärt der duden den despoten als "unumschränkt Herrschenden, Gewaltherrscher" bzw. als "(abwertend) herrischen, tyrannischen Menschen",
das ddr-diktionär fasst sich kürzer:
"Gewaltherrscher, Tyrann."
beim tyrann holen beide lexika etwas weiter aus. ost:
"1. (veraltend) Gewalt und Zwang ausübender Herrscher, Gewaltherrscher, Despot,
2.(übertr.)herrschsüchtig, rücksichtslos und diktatorisch anderen seinen Willen aufzwingender Mensch, Despot"; west:
"1.(im antiken Griechenland)unumschränkt,ohne gesetzliche Bindungen herrschender Alleinherrscher;[grausamer]Gewaltherrscher,
2.(abwertend) autoritäre Person, die ihre Stellung, ihre Macht dazu mißbraucht,andere, bes.Abhängige, Untergebene, zu tyrannisieren, zu unterdrücken; Despot."
schaun wir mal, was den lexikografen zum diktator noch neues eingefallen ist.
west:
"unumschränkter Machthaber in einem Staat; Gewaltherrscher".
ost: "unumschränkter Gewaltherrscher in einem Staate."
es dreht sich im kreis. der gemeinsame nenner ist der gewaltherrscher.und das ist ohne zweifel ein machtmensch, einer, dessen wille zur macht alle anderen antriebe überwuchert.
im bürokratischen machtapparat der östlichen und westlichen demokratie waren und sind die entfaltungsmöglichkeiten für despoten eingeschränkt.
trotzdem gab bzw. gibt es in beiden systemen machtmenschen. entweder als funktionär, der seine machtbefugnisse kennt und seine grenzen meist respektiert oder als elefant im porzellanladen, der früher oder später seinen hut nehmen muss.
wo es den altorientalischen despoten nicht mehr gibt, können sich nun aber die vielen kleinen funktionäre mit ihrem arg gedrosselten machttrieb zum system zusammenschließen und mehr schaden und grausamkeiten verbreiten als ein altgriechischer tyrann.
der wille zur macht mit seiner neigung zur herrenmoral ist (noch) nicht vom sachverstand und der gesellschaftsordnung auf immer in seine animalischen grenzen verwiesen und zur sublimierung gezwungen.
> anarchie, der große, ethik, herr, hierarchie, machttrieb, politik, vernunft und gewissen
   
 
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