h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort staat
   
kommentar
in dem einen punkt waren anarchisten und marxisten einig: der staat gehört abgeschafft.
solche zumindest theoretische staatsferne ist von einem bürgerlichen nachschlagewerk nicht zu erwarten. so erklärte der duden der 70er jahre:
"Herrschaftsform, die das Zusammenleben der in einem bestimmten abgegrenzten Gebiet lebenden Menschen gewährleisten soll."
das ist staatsphilosophisch der stand von anno 1651; in dem jahr erschien der "Leviathan" von thomas hobbes.
im wörterbuch der ddr war die erklärung nicht nur viel länger, sondern auch präziser:
"innerhalb territorialer Abgrenzung existierendes politisches Machtinstrument der herrschenden Klasse einer Gesellschaftsformation zur Durchsetzung, Aufrechterhaltung und Sicherung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse nach innen und außen, das in den auf Ausbeutung beruhenden Gesellschaftsordnungen zur Unterdrückung der Mehrheit der Bevölkerung (in der soz. Gesellschaftsordnung unter Führung der Arbeiterklasse den Interessen des Volkes und seinem Schutz) dient."
abgesehen vom ideologischen anhängsel, das den sozialistischen staat schönredet und deshalb hier ausgeklammert wird, ist diese staatsdefinition der etwa zeitgleich entstandenen duden-erklärung weit überlegen. immerhin steht im alten duden das wort "Herrschaftsform"; selbst diese bloße andeutung einer möglichen distanz fehlt in der neuen ausgabe:
"Gesamtheit der Institutionen, deren Zusammenwirken das dauerhafte u. geordnete Zusammenleben der in einem bestimmten abgegrenzten Territorium lebenden Menschen gewährleisten soll."
im übrigen ist sich der duden treu geblieben in seiner antiquiertheit und verschleierung.

keiner der drei zitierten kommentare spricht dem 6000 jahre alten kampfapparat die zukunftsfähigkeit ab. in diesem kritischen punkt waren ost und west einig.
das naturprodukt staat ist aber vom naturwüchsigen machtkampf nach innen und außen geprägt. das prinzip macht hat in den jahrtausenden seiner wirksamkeit im staat niemals "das dauerhafte u. geordnete Zusammenleben" der staatsangehörigen "gewährleisten" können. vor den problemen der menschheit heute versagt der blinde machtapparat jeden Tag.
> anarchie, antiquiert, arbeitgeber, aristokratie, herrschaft, machttrieb, staatliche ära
   
 
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