h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort g.a.u.
   
kommentar
nach landläufiger auffassung bedeutet das kürzel nicht etwa "gesetz atomaren untergangs" im sinne des befohlenen bombenabwurfs auf hiroschima oder der reaktor-katastrophe von tschernobyl, geschweige denn verstanden als welthistorisches gesetz, sondern "größter anzunehmender Unfall".
diese offizielle version, die auch im duden steht, hat den vorteil, dass sie suggeriert, das ereignis sei ungewollt und bei großer vorsicht so vermeidbar wie ein sturz aus dem fenster.
das wort "unfall" legt die assoziationsroute fest. wie viele unfälle passieren täglich irgendwo, nah und fern? jede/r ist schon mindestens einmal opfer oder doch wenigstens zeuge eines unfalls geworden. das scheint unvermeidbar zu sein. darum gibt es versicherungen.
dieser vorgezeichneten linie folgt schnurstracks der duden:
"schwerster Störungsfall(sic), der in einem Kernkraftwerk auftreten kann [u. für den beim Bau der Anlage entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen sind]: GAU ist
... der schwerste Störfall in einer kerntechnischen Anlage (Welt, Welt-Report Kraftwirtschaft, 28.6.79, o.S.)
so wird aus dem unfall schnell eine störung oder ein störfall. bitte nicht stören!
in der aktuellen spiegel-ausgabe (17/06) setzen die manchmal gestörten kraftwerksbetreiber den offiziellen traumtrend mit einer ganzseitigen anzeige fort. motto: "sicher.kernenergie."
in derselben spiegel-nummer findet sich (in der rubrik "Deutschland") eine besondere form der erinnerung an die reaktor-katastrophe von tschernobyl vor 20 jahren. das magazin (im radio meist nachrichtenmagazin genannt) berichtet über sogenannte "Tschernobyl-Emigranten" aus süd-deutschland (wo der radioaktive niederschlag besonders hoch war).
die reporterinnen suchten und fanden etwa ein dutzend ehemaliger "Tschernobyl-Flüchtlinge" auf den kanarischen inseln und in portugal, die im text als "Sandalenträger", "Atomkraft-nein-danke-Bewegte", "Freaks" und "Hippies" bezeichnet werden.
der clou der geschichte ist aber der schluss. da heißt es, ein sprössling der "Auswanderer", ein reumütig heimgekehrter, der gar nichts mehr gegen die strahlende industrie einzuwenden hat, steht vielmehr für sie zur verfügung, wenn sie ihm einen job gibt.
wo sich werbung für die atomar strahlende wirtschaft und berichterstattung über irre atomkraftgegner wundersam zusammenfügen, schließt sich der spannende stromkreis der führenden meinungsmacher.
> anarchie, atomausstieg, friedliche kern-energie
   
 
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