h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort intellektualismus
   
kommentar
wohl etwas bedenkliches. darauf lässt schon die endung -ismus schließen.
aber auch der anfang verheißt nichts gutes: wer intellekt sagt statt verstand, ist höchstwahrscheinlich ein intellektueller oder eine intelligenzbestie, vollkommen verkopft, blass und blutleer.
der duden erklärt dementsprechend ohne jegliche relativierung, als sei das selbstverständlich:
"übermäßige Betonung des Intellekts; einseitig vom Verstand bestimmte Haltung."
ins gleiche horn blies der brockhaus der 50er jahre:
"Intellektualismus heißt die überstarke Betonung und Bewertung des Intellekts, insbes. die Neigung, menschliches Handeln, geschichtl. Vorgänge und geistige Schöpfungen ausschließlich auf verstandesmäßige Erwägungen zurückzuführen. Der Intellektualismus vernachlässigt Wirkungskraft und Wert des Unbewußten, der Gefühls- und Willenskräfte."
fusioniert mit dem f.a.brockhaus verlag, steht der duden keineswegs stärker da. er macht aus der "Haltung" oder "Neigung" eine
"philosophische Lehre, die dem Verstand den Vorrang vor dem Willen u. der sinnlichen Wahrnehmung gibt."
im duden nachzulesen, was er über den obskurantismus weiß, das gegenstück zum intellektualismus, ist aufschlussreich:
"[zu lat. obscurare = verdunkeln; verbergen, verhehlen; > Obskurant](bildungsspr.): Bestreben, die Menschen bewusst in Unwissenheit zu halten, ihr selbständiges Denken zu verhindern u. sie an Übernatürliches glauben zu lassen."
das steht wirklich im selben duden.
das wörterbuch der ddr reimt darauf:
"(lat.) Überbetonung des Verstandesmäßigen und Theoretischen im Denken und Handeln."
fazit: intellektualismus ist ein schimpf- und schmähwort der obskuranten gegen verstand(esgebrauch), verständigung und verständlichkeit.
> aberglaube, ansicht, aschermittwoch, aufgeklärt, obskurant,
aufklärerisch, enzyklopädist, übernatürlich
   
 
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