h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort ritualisiert
   
kommentar ein paar wochen lang war \"die Welt zu Gast bei Freunden\". so das motto der fußball-wm in deutschland. das land wollte sich nach den anhaltenden nachrichten über die massive fremdenfeindlichkeit hier und heute beim kicker-weltkrieg demonstrativ gastfreundlich präsentieren.
und bunt ging es zu in den stadien und vor den großen projektionswänden in vielen städten. die schlachtenbummler, freundlicher fans genannt, wer weiß schon, dass dies von \'fanatiker\' abgeleitet ist? die fans erschienen bunt bemalt und bunt kostümiert und mehr oder weniger alkoholisiert, fast wie im karneval.
mit einem unterschied: die fans bevorzugten bei ihrer kriegsbemalung eindeutig die jeweiligen nationalfarben und wedelten mit den national-fahnen und -fähnchen. und oft pfiffen sie die gegnerische mannschaft aus, wenn sie im ballbesitz war.
aber damit nicht genug, dekorierten auch die häuslichen und dörflichen fans weitab von den austragungsorten der kickerkämpfe ihre autos und hausfronten mit der nationalen fahne. so deutlich hatten land und leute nur in der nazizeit flagge gezeigt.
die produktion der bunten tuche in dieser übermenge muss von langer hand geplant und vorbereitet worden sein. vom himmel sind sie nicht gefallen.
vervielfacht wurde die fahnenseligkeit im spiegel der gleichgeschalteten medien.
und weil es so schön fröhlich und farbenfroh aussah, beeilten sich die bestellten kommentatoren, den neuen fahnenrausch positiv zu deuten. die auguren fanden keinen \"Fleck on the flag\"(Jandl), sondern lauter lupenreine lappen unschuldig im sommerwind flattern. sie konnten beim besten willen nicht umhin, die neue nationale normalität des neuen patriotismus zu begrüßen und über den alten verfassungspatriotismus zu stellen. denn er sei leichter und lebendiger und glaubwürdiger und...
wie künstlich und verlogen jedes nationalgefühl ist, light oder heavy, wie irrational und kriegsgefährlich, dazu haben die nationalen cheerleader am rande der wettkämpfe nichts gesagt.
dem machtkranken führungspersonal ist es doch im grunde gleich, ob partypatriotismus oder altromantischer nationalismus, hauptsache, es hat den stier am nasenring.
vor 70 jahren war die welt schon mal zu gast in diesem land. die regierenden nazis nutzten die olympischen spiele für ihre propaganda. berlin im fahnenschmuck, na klar.
drei jahre später folgte dem ritualisierten weltkrieg in den stadien das militärische schlachten zu lande, zu wasser und in der luft.
> abrüstung, alkohol, aufgeklärt, barbar, berufsboxerin, brauch, deutsch gesinnt, deutsche, deutschtum, fahnenschmutz, flagge zeigen, herrschaft, kampfkultur, olympische spiele
   
 
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