h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort identität
   
kommentar
das logische prinzip, das in der formel ?A ist identisch mit A? seinen ausdruck findet, mag ja für logische operationen so unentbehrlich sein wie für mathematische gleichungen, etwa (a + b)² ist gleich a² + 2ab + b²; für die welt der erfahrung hat es nur relativen wert, denn nichts bleibt, wie und was es ist, wenn man nur lange genug wartet.
ein diamant oder ein stück basalt ist relativ dauerhaft, verglichen mit wolken oder gefühlen. aber in erdgeschichtlichen zeiträumen zeigen auch so harte brocken, dass sie nicht für die »ewigkeit« gemacht sind; beim eintauchen ins magma zerfließt auch die beständigste form sofort.
entweder haben denker den identitätssatz von sehr harten steinen abgeleitet oder aber vom menschlichen ich-bewusstsein. dass ein mensch sein leben lang ?ich? sagt trotz aller sichtbaren veränderungen vom kindes- bis zum greisenalter, täuscht aber identität nur vor durch das gleichbleibende personalpronomen, wo kontinuität der angemessene begriff ist.
die identitätsidee ist nicht mehr als eine boje im strom.
dudens halten sich ans praktische, an die fragen von zoll und polizei, ob denn die person und ihr auto da irgendwo verbucht und verbrieft sind:
"[spätlat. identitas, zu lat. idem = derselbe]: Echtheit einer Person od. Sache; völlige Übereinstimmung mit dem, was sie ist od. als was sie bezeichnet wird: jmds. I. feststellen, klären, bestreiten, bestätigen; seine I. hinter einem Pseudonym verbergen;"
aber abweichend vom kriminologischen muster tauchen plötzlich 2 beispiele auf, die das identitätsproblem grundsätzlicher angehen:
"dass wir es ... mit Elementarteilchen zu tun haben, die ihre I. wechseln (Gehlen, Zeitalter 24); ein Gefühl ... hat keine Dauer und I. (Musil, Mann 1245)."
> denker, ewig, illusion, moral, philosoph, substantiv, überzeitlich, unsterbliche seele
   
 
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